Die Distrikte im Mandatsgebiet Palästina waren die im Verwaltungsaufbau obersten Einheiten in der mehrstufigen territorialen Gliederung im Gebiet des Völkerbundsmandats für Palästina, die während der Mandatszeit zwischen 1920 und 1948 bestanden. Die Distrikte waren keine Selbstverwaltungsorgane der kommunalen Gebietskörperschaften in ihrem Gebiet, sondern Aufsichtsbehörden des zentralen Government of Palestine, der Zivilverwaltung des Mandatsgebiets. Entsprechend setzte das Government of Palestine die leitenden Beamten der Distrikte ein.
Distrikte in den amtlichen Landessprachen
In den drei Amtssprachen Palästinas lauteten die Bezeichnungen für Distrikte auf englisch districts, auf arabisch ألوية, DMG Alwiya (Sg. لواء, DMG Liwāʾ ‚Banner‘) und auf hebräisch מְחוֹזוֹת Məchōsōt (Sg. מָחוֹז Machōs, deutsch ‚Bezirk‘, status constructus מְחוֹז Məchōs).
Geschichte
Die Distrikte waren Neuschöpfungen der britischen Verwaltung. Die zuletzt in diesem Teil des Osmanischen Reiches bestehenden Verwaltungseinheiten, das Mutesarriflik Jerusalem (Mitte und Südwesten Mandats-Palästinas), das syrische Sandschak Maʿan (teilweise äußerster Süden Mandats-Palästinas; ansonsten heute zu Jordanien) und die Sandschaks Akkon wie Nablus (dieses auch Sandschak Balqa genannt; beide Norden Mandats-Palästinas) zum libanonbasierten Vilâyet Beirut gehörig wurden aufgelöst. Distrikte entstanden bereits zu Zeiten der Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South), der britischen Militärverwaltung des Gebiets zwischen 1918 und 1920, gefolgt von der Zivilverwaltung ab 1920. Verwaltungsmäßig war das Gebiet ab 1918 in 13 Verwaltungseinheiten unterteilt, deren Zahl bereits 1919 auf zehn, 1920 auf sieben Distrikte, 1923 auf vier und 1924 schließlich auf drei reduziert wurde.
Die Distrikte unterlagen einem ständigen Wandel (mit allein drei wesentlichen Umgliederungen der Distrikte im Verlauf des Jahres 1920). Die Distrikte waren in Subdistrikte untergliedert, die – anders als die Distrikte – sich in Bestand und Benennung weitgehend stabil entwickelten (1920–1942: 18 Subdistrikte, 1942–1948: 16 Subdistrikte). Die Zuschnitte und Benennungen der Distrikte und Subdistrikte widerspiegeln sich, soweit auf heute israelischem Gebiet gelegen, weitgehend in den Unterbezirken und Bezirken Israels. Sie bestanden zunächst wie zu Mandatszeiten, bevor die Israelische Regierung 1953 den geänderten Grenzen und Bevölkerungschwerpunkten durch Anpassungen Rechnung trug.
Seit September 1920 bestanden sieben Distrikte (von Nord nach Süd) nämlich Galiläa (Sitz Nazareth), Phönikien (Sitz Haifa), Samaria (Sitz Nablus), Jerusalem, Jaffa, Gaza und Beerscheba (heute Beʾer Scheva). Schon 1922 wandelten die Behörden das Bild: Es gab dann vier Einheiten, den Nördlichen Distrikt (Sitz Nazareth), Samaria, Jerusalem–Jaffa (Sitz Jerusalem) und den Südlichen Distrikt (Sitz Gaza). Die nächste Umgliederung folgte 1924, eine neue Mittelebene zwischen Distrikt Jerusalem–Jaffa und seinen Subdistrikten wurde eingezogen, die Divisionen Jaffa (1922) und Jerusalem (1925), die bis 1927 bestanden.
Im August 1925 verschmolzen die südlichen Bezirke Jerusalem–Jaffa und Südlicher Distrikt zum Jerusalem-Südlichen Distrikt. Zwei Jahre darauf gab es wieder drei Bezirke im Lande, den fortbestehenden Nördlichen Distrikt und wieder getrennt den Südlichen Distrikt und die Division Jerusalem, die 1931 wieder in Distrikt umbenannt wurde, wobei der Subdistrikt Hebron vom Südlichen zum Distrikt Jerusalem wechselte. Der Nördliche Distrikt wurde 1937 geteilt, die Subdistrikte Akkon, Baisan, Nazareth, Safed und Tiberias bildeten den neuen Distrikt Akkon und Galiläa (Sitz Nazareth; der Namensbestandteil Akkon entfiel im Dezember 1939), die übrigen Subdistrikte Dschenin, Haifa, Nablus und Tulkarm den neuen Distrikt Haifa und Samaria (Sitz Haifa), womit es wieder vier Bezirke gab. Letzterer wurde im nächsten Jahr zerlegt, die seinerzeit größte Metropole Palästinas, Haifa, bildete mit Umland einen eigenen Distrikt, die anderen drei Subdistrikte (Dschenin, Nablus und Tulkarm) zusammen Samaria (Sitz Nablus).
Die Subdistrikte Beerscheba und Gaza schieden 1938 aus dem Südlichen Distrikt aus und bildeten den neuen Distrikt Gaza. Der verbliebene Südliche Distrikt, aus den Subdistrikten Jaffa und Ramleh bestehend, trug in seinem Umfang dem neuen Bevölkerungsschwerpunkt Jaffa und Tel Aviv Rechnung, deckte aber nicht mehr den Landessüden ab, weshalb er 1939 in Distrikt Lydda (Sitz Jaffa) umbenannt wurde. Im Jahre 1942 gingen die beiden Subdistrikte Bethlehem und Jericho im Subdistrikt Jerusalem auf, die dann sechs Distrikte selbst blieben unverändert, bestanden auch nach dem Krieg um Israels Unabhängigkeit (1948/1949), soweit sie dann in Israel lagen, bevor dieses 1953 einige den Grenzänderungen und Bevölkerungsverlagerungen geschuldete Anpassungen vornahm.
Leiter der Distrikte
Das Government of Palestine setzte die leitenden Beamten der Distrikte, den jeweiligen District Commissioner (Distriktskommissar; bis 1925 lautete der Amtstitel District Governor), ein. Dem District Commissioner waren jeweils Assistant District Commissioners untergeordnet, die jeweils für Subdistrikte im Distrikt zuständig waren. Bei Abwesenheit wegen Reisens oder ernstlicher Krankheit zum Beispiel wurde zur Vertretung ein Deputy District Commissioner ernannt. Darunter folgten dann District Officers. Das Government of Palestine berief in Ämter der beiden oberen Ränge allein Angehörige des Britischen Imperiums (Briten, Australier etc.), auf der Ebene darunter besetzte es Stellen auch mit einheimischen Landeskindern ohne britische, aber mit palästinensischer Staatsangehörigkeit. So wie die Subdistrikte mehrfach wechselnd den Distrikten zugeordnet und letzterer Namen geändert wurden, wechselten auch die leitenden Beamten zwischen den Distrikten. Die Tabelle ist sortiert nach den Sitzen der Distrikte, die seltener wechselten als deren Namen und Zuschnitte. Im jeweiligen Feld mit den Namen der leitenden Beamten, sortiert nach Zeitabschnitten, ist der jeweils seinerzeitige Name des Distrikts vorangestellt, den sie leiteten. Außer Acht gelassen wurde Beʾer Scheva, das zwar von 1920 bis 1922 Sitz eines Distrikts war, danach aber bis 1948 nicht wieder.
Subdistrikte in den amtlichen Landessprachen
In den drei Amtssprachen Palästinas lauteten die Bezeichnungen für Subdistrikte auf englisch sub-districts, auf arabisch أَقْضِيَةٌ, DMG Aqḍiya (Sg./status constructus قَضَاءُ, DMG Qaḍāʾ ‚Gerichtsbezirk‘) und auf hebräisch נָפוֹת Nafōt (Sg. נָפָה Nafah, stat. constr. נְפַת Nəfat).
Subdistrikte im Mandatsgebiet und ihre Zuordnung zu Distrikten
Während sich der Bestand der Subdistrikte stabil entwickelte, 1922 waren es 18, nur die Subdistrikte Jericho und Bethlehem wurden 1942 dem Subdistrikt Jerusalem zugeschlagen, womit es zuletzt 16 waren, war bei den Distrikten laufend Bewegung in deren Zuschnitten und Benennungen.
Zu zahlreichen Gelegenheiten, gliederten die Mandatsbehörden Subdistrikte unter den Distrikten um, legten Distrikte zusammen, gliederten sie in mehrere kleine auf und benannten sie um. Einige dieser Revirements sind in den Spalten mit den Jahren der Änderungen überschrieben. Zu Beginn und Ende der Mandatszeit benannten die Behörden einige Distrikte nach historischen Landschaften wie Galiläa, Phönikien, Samaria. Soweit nicht aus den Distriktsnamen ersichtlich sind die Distriktskapitalen in der Tabelle verzeichnet.
Die Subdistrikte waren, namentlich wie territorial, im Wesentlichen Fortschreibungen früherer osmanischer Verwaltungseinheiten, wie in der Tabelle angezeigt. Sich wandelnde Bevölkerungsschwerpunkte, wie die Aufstiege Haifas, Rechovots und Tel Avivs zu Städten, zogen flächenmäßig kleiner geschnittene neue Verwaltungseinheiten nach sich, wie an den nachfolgenden Verwaltungseinheiten zu erkennen. Auch der Verlauf der Grünen Linie führte zu Neuzuschnitten auf Ebene der Subdistrikte. Gleich gefärbt dargestellt sind, auch bei wechselnden Distriktsnamen, jene Distrikte, die – zumindest im Kern – beständig Teile des gleichen Gebietes abdecken.
Einzelnachweise




