Mutter Küsters’ Fahrt zum Himmel ist ein in Frankfurt am Main gedrehter Spielfilm von Filmautor Rainer Werner Fassbinder.
Handlung
Wegen Massenentlassungen erschlägt der Arbeiter Küsters erst seinen Personalchef und tötet dann sich selbst. Er hinterlässt eine hilflose Mutter Küsters. Weder Sohn Ernst noch dessen Frau Helene wollen mit dem Fabrikmörder in Verbindung gebracht werden und ziehen aus der gemeinsamen Wohnung aus. Tochter Corinna profitiert vom Tod des Vaters, sie kann die unerwartete Publizität für ihre Karriere als Chansonsängerin nutzen. Zu alledem veröffentlicht ein Reporter eines Boulevardblattes einen verleumderischen Artikel. Schutz findet Mutter Küsters kurzzeitig bei den DKP-Leuten Karl und Marianne. Dort fühlt sie sich ernst genommen, tritt der Partei bei, erhofft sich aber vergeblich eine Rehabilitation ihres Mannes. Sie vertraut sich dem Anarchisten Knab an, der mit Freunden die Zeitungsredaktion besetzt, die den Boulevardartikel veröffentlichte. Es werden Geiseln genommen und die Geschichte endet tragisch.
Hintergrund
Fassbinder ließ sich für seinen Film von Piel Jutzis sozialkritischem Klassiker Mutter Krausens Fahrt ins Glück aus dem Jahre 1929 anregen, der in Figurenkonstellation, Handlung und Verlauf Parallelen aufweist. Fassbinder drehte zwei Fassungen vom Schluss des Films. Der in der Handlung Erwähnte wird in Schrifttiteln eingeblendet, beim alternativen Ende geben die Geiselnehmer auf und der Film geht gut aus. Das alternative Ende wurde in der US-amerikanischen Fassung verwendet.
Rezeption
Auf der Berlinale 1975 löste der Film Tumulte aus. Das Publikum fiel wütend über Fassbinder her, am Ende wurde ihm als Preis eine Rolle Klopapier überreicht. Nicht so in den USA, denn im Sommer 1977 eröffnete auf dem New York Film Festival Mother Kuster Goes To Heaven eine große Fassbinder-Retrospektive, die enthusiastisch gefeiert wurde. Mario Adorf erinnert sich, dass bis zu jenem Zeitpunkt jeder Amerikaner im Deutschen einen Nazi witterte. Fassbinder hingegen, der für ein junges deutsches Kino stand, das sich kritisch mit seiner Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzte, wurde voll und ganz akzeptiert. Mit Fassbinder änderte sich das Deutschlandbild, das in den USA vorherrschte.
Kritiken
Einzelnachweise
Weblinks
- Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel Film- und Hintergrundinformationen der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin.
- Mutter Küsters’ Fahrt zum Himmel bei IMDb




